Stefan Selbach — Steuerberater

Mein Weg

Die lange Version — wer die Kurzfassung sucht: Sie steht auf der Startseite.

1980er

Wo hat das alles angefangen?

Genau genommen fing es im kleinen Einzelhandelsgeschäft meines Vaters in Bretten an. Seine Buchhaltung war ein amerikanisches Journal, von Hand geführt — RUF-Buchungsplatte, Kontenblätter, Durchschreibebuchführung. Wenn die Spalten nicht aufgingen, kostete ihn ein einziger Zahlendreher die Mittagspause, das Wochenende und manchmal die gute Laune. Irgendwann habe ich ihm einen PC mit Buchhaltungssoftware hingestellt; er wollte oder konnte sich darauf nicht einlassen — es war nicht seine Welt. Zwei Dinge habe ich dort gelernt, lange bevor ich sie benennen konnte: was ein fehlendes Werkzeug kostet, und dass das beste Werkzeug nichts nützt, wenn es nicht zu dem Menschen passt, der damit arbeiten soll.

Meine ersten Ferienjobs hatte ich dann als Teenager beim Verlag Rätz Eberle — ebenfalls in Bretten: Computer Kontakt, weitere Zeitschriften, ein Versand. Ich habe Spiele und Hardware rezensiert und mehrmals die Woche in der Buchhaltung ausgeholfen; denen war aufgefallen, dass man mich auch mit Zahlen alleinlassen kann. Mein erstes Rechnungswesen waren also echte Belege, keine Vorlesung.

Kurz nach meinem achtzehnten Geburtstag machte Thomas Eberle mit dem Computer Flohmarkt in Maulbronn weiter, einem Anzeigenblatt für Computerfans — und ich war einer der ersten „Säzzer“: Ich habe die handgeschriebenen Kleinanzeigen der Leser ins Redaktionssystem eingegeben. In diese Zeit fielen die berüchtigten Tanja-Briefe: Günter Freiherr von Gravenreuth ließ eine erfundene Teenagerin — „Tanja Nolte-Berndel“ — Leser anschreiben, die Anzeigen aufgegeben hatten, und um kopierte Spiele bitten; wer antwortete, bekam statt einer Brieffreundin eine Abmahnung. Weil die Leser uns vertrauten, bekamen wir diese Dramen hautnah mit. Auch bei uns wurden solche Anzeigen aufgegeben — unter wechselnden Namen, aber mit immer derselben Handschrift; das fiel mir beim Erfassen auf. Dazu kamen die ersten Abmahnungen von Microsoft wegen Software-Piraterie. Recht und IT — diese Schnittstelle hat mich seither nicht mehr losgelassen.

Dort bin ich auch der Umsatzsteuer zum ersten Mal begegnet. Am Verlagstisch wurde diskutiert, ob ein Kleinanzeigenblatt „überwiegend Werbezwecken dient“ — davon hing ab, ob der volle oder der ermäßigte Steuersatz gilt. Ich war 18 und ahnte nicht, dass genau solche Fragen einmal mein Beruf werden.

1990er

Warum nicht Informatik?

Abitur am Technischen Gymnasium Bruchsal: Elektrotechnik, Maschinenbau, Technisches Zeichnen, Pneumatik — und Programmieren in Z80-Assembler und Turbo Pascal. Die Jahresabschlussarbeit: ein Netzteil für eine PA-Endstufe, mobile Diskothek war damals ein großes Thema. Hätte ich meinen Schulkameraden erzählt, dass ich danach Betriebswirtschaft studiere, hätten die nur den Kopf geschüttelt. Aber für mich war IT ein Werkzeug, und ich wollte den Rahmen haben, in dem das Werkzeug wirkt: Betriebswirtschaft, Fachrichtung Steuer- und Revisionswesen, mit dem Ziel, die Schnittstelle zwischen IT, Prozessen und Steuerberatung zu besetzen. Dass das Steuerberaterexamen eine Hürde ist, über die nicht jeder springt, war Teil des Plans.

1994

Was ist lemmandor?

Die Gesellschaft, mit der wir heute Software für Kanzleien bauen — lemmandor —, wurde 1994 gegründet: als Verlag. Der hat damals, ehrlich gesagt, nie richtig gelebt. Aus dem Verlag wurde eine Softwarefirma, und aus der Idee ein Prinzip: Wir bauen die Werkzeuge, die uns im eigenen Kanzleialltag gefehlt haben.

1999

Was ist von den Prüferjahren geblieben?

Berufseinstieg 1999 bei PwC: erst Jahresabschlussprüfung in Karlsruhe, dann IT-Prüfung, Business Data Analysis und PwC FraudScan in Stuttgart. 2001/2002 kamen CISA und CFE dazu — das eine das internationale Zertifikat für Prüfer von IT-Systemen, das andere das für die Aufdeckung von Wirtschaftskriminalität. 2004 bin ich zu MLP gewechselt — mit einer Sidestory, die mich gelockt hat: Das Haus hatte seinen Bilanzskandal da schon hinter sich und war kurz zuvor aus dem DAX geflogen. Als Antwort baute es eine Interne Revision auf — „die Guten“ —, und nochmal deutlich später kam die IT-Revision dazu — die habe ich dort von null aufgebaut. Ein System nach dem Lasttest wieder aufzubauen — genau das hat mich gereizt.

Geblieben ist aus dieser Zeit ein ganzer Werkzeugkasten: der Umgang mit großen Datenmengen, der Blick für interne Kontrollen und Prozesse, die Dokumentationsdisziplin des Prüfers — und ein gesundes professionelles Misstrauen, das nur glaubt, was sich belegen lässt. Vor allem aber eine Frage, die ich seither an jedes System stelle: Hält es unter Last? System heißt dabei nicht nur IT — ein Vertragswerk ist ein System, eine Prozesslandschaft auch, Technik sowieso. Und Last ist nicht der Hackerangriff, sondern der Ernstfall — egal, ob er den Vertrag trifft, das Management oder die Technik.

2008

Wie kam es zur eigenen Kanzlei?

2006/2007 das Steuerberaterexamen. Bestellen lassen konnte ich mich wegen meiner Angestelltentätigkeit erst nach der Änderung des Steuerberatungsgesetzes im April 2008 — das Berufsrecht hat an meinem ersten Tag als Steuerberater also schon mitgeschrieben. Losgelegt habe ich nebenberuflich.

Drei Jahre lief die Kanzlei so neben dem Beruf her. Hauptberuflich wurde es Ende 2011, aus einem ungeplanten Anlass: Ich hatte aus einer Feierabendlaune am Steuerberater-Test von Focus Money teilgenommen, ohne im Traum mit einer Auszeichnung zu rechnen. Wurde ich aber. Ohne sie hätte ich vermutlich nie den Mut gehabt, richtig durchzustarten. Viele weitere sind seither dazugekommen — Focus, Focus Money, Handelsblatt —, aber die erste bleibt die wichtigste: Sie war nicht das Ergebnis des Weges, sondern sein Anfang.

2013

Was ist taxandor?

Die Einzelkanzlei ging Ende 2013 in einer größeren Gesellschaft auf, die nach mehreren Umfirmierungen heute taxandor heißt: eine Steuerberatungsgesellschaft in Pforzheim — komplett digital und papierlos, das DATEV-Label „Digitale Kanzlei“ tragen wir seit acht Jahren in Folge.

2015

Warum Qualitätsmanagement?

2011 war ich der Theoretiker von PwC mit anderen Schwerpunkten — ein Examen bescheinigt ohnehin nur, dass die Theorie in genau diesem Moment fürs Examen reicht; Kanzleialltag ist etwas anderes. Also habe ich mir Qualitätsmanagement erarbeitet: erst in DATEV-QM-Workshops mit Kollegenkanzleien, seit 2015 mit ISO-9001-Zertifizierung und DStV-Qualitätssiegel, den kontinuierlichen Verbesserungsprozess in einer eigenen Webapp — wieder die Brücke aus BWL, Steuern und IT. Die Prozesslandschaft der Kanzlei ist das System, an dem ich am längsten gebaut habe — damit es hält, wenn es darauf ankommt.

2018

Warum ausgerechnet Honorarrecht?

Es gibt Lektionen, die man sich nicht aussucht. Meine kam 2018 — hier verallgemeinert erzählt: Ein Großmandat, das den größten Teil des Umsatzes trägt, kündigt und stellt als „Sicherheitseinbehalt“ sämtliche Zahlungen ein. Die Gehälter der eigens dafür eingestellten Mitarbeiter laufen weiter. Die Umsatzsteuer ist wegen der Sollversteuerung trotzdem fällig. Genau dann zeigt sich, ob Steuerberatungsvertrag und Vergütungsvereinbarung wirklich tragen. Meine von damals — beide anwaltlich erstellt — trugen nicht weit genug. Es war der Lasttest, den ich nicht bestellt hatte.

Das liegt inzwischen Jahre zurück. Geblieben ist die Beschäftigung mit dem Vergütungsrecht: Die beste Honorarrechnung ist die, über die nie diskutiert wird. Darüber schreibe ich inzwischen auch, etwa für Haufe — damit nicht jeder Kollege diese Erfahrung selbst machen muss.

Und heute?

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